Luxusprobleme vor dem Amtsgericht Düsseldorf

Vor dem Amtsgericht Düsseldorf wurde am 23. Mai 2019 zum AZ. 27 C 257/18 zu einer häufigen Konstellation eine eher ungewöhnliche Entscheidung getroffen.

Ausgangspunkt ist ein verbreitetes Übel, ein verspäteter Flug. Hierfür sieht die Fluggastrechteverordnung einen Anspruch auf Entschädigung vor. Dieser ist gestaffelt, je nach Entfernung des Fluges und der Dauer der Verspätung und beträgt zwischen 250 EUR und 600 EUR. Sofern aufgrund der Verspätung eine Übernachtung erforderlich wird, schuldet die Fluggesellschaft eine Hotelunterbringung und "Mahlzeiten und Erfrischungen in angemessenem Verhältnis zur Wartezeit".

So traf es auch die Kläger im Verfahren vor dem Amtsgericht Düsseldorf. Der gebuchte Flug von Göteborg nach Düsseldorf wurde storniert mit einer Ankündigungsfrist von 2 Stunden. Die Kläger übernachteten daher in einem Hotel für ca. 260 EUR inkl. Verpflegung. Teil der Verpflegung war die Verköstigung von Champagner.

Ein eher bedenkliches Vorgehen, gibt es doch wohl eher wenige Gerichte, die dies unter angemessene Mahlzeiten fassen würden. Keine Bedenken hatte insoweit das Amtsgericht in Düsseldorf:

Ferner sind auch die Kosten für die Champagnercocktails und den Dessertwein (44,97 EUR) erstattungsfähig. Es ist für das Amtsgericht Düsseldorf allgemein bekannt, dass zu einem gelungenen Essen nicht nur der Verzehr begleitender Biere und/oder Weine gehört,sondern darüber hinaus auch der Genuss von Champagner und Dessertwein, sodass sich auch diese Kosten als angemessen erweisen. Bei der Beurteilung der Angemessenheit ist insoweit insbesondere zu berücksichtigen, dass gerade im Champagnersegment auch deutlich hochpreisigere Produkte angeboten werden.

Es ist nicht zu erwarten, dass sich die Rechtsprechung allgemein dieser Entscheidung anschließt. Von daher raten wir von einer Nachahmung ab. So oder so stehen wir Ihnen bei der Durchsetzung von Ansprüchen wegen verspäter Flugbeförderung gerne zur Seite.

Rechtsanwalt Dr. Michael Schultz